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Inflation: Gekommen um zu bleiben?

Romain Schmit

 

Sie ist wieder da. Die Rede ist von der Inflation. Und sie ist gekommen, um zu bleiben. Das, was momentan abgeht in Sachen Inflation, ist nämlich nicht nur ein kurzfristiger Preisschock ausgelöst durch einen Energiemarkt in konjunktureller Bestlaune gekoppelt an politische Unwägbarkeiten und Krieg in der Ukraine. Die Energiepreise erklären zwar rund die Hälfte der aktuellen Inflation, doch die meisten Experten sehen neben hohen Energiepreisen bis 2023-2024 andere Problembereiche verstärkt auf uns zukommen.

 

Was wir erleben ist eine durch die weltweite wirtschaftliche Erholung getriebene Preisinflation, welche durch Lieferengpässe, Materialknappheit und Fachkräftemangel weiter verschärft und angeheizt wird. Energiewende und Klimapolitik werden den Preisdruck weiter verschärfen. So sieht die Internationale Energieagentur eine Vervierfachung des weltweiten Rohstoffbedarfs bis 2040 voraus. Die Besteuerung schädlicher Treibhausgase – politisch als Lenkungsinstrument gewünscht und eingesetzt – wird diesen Trend weiter verschärfen. Die expansive Geldpolitik, wie sie von sämtlichen Zentralbanken weltweit betrieben wird, tut ein Übriges, auch wenn Finanz- und sonstige Minister diese Wahrheit nicht gerne hören. Schliesslich macht der permanente Geldregen viel mehr Spass als beispielsweise Reformprogramme oder der berühmte Rotstift. Im Euroraum hat sich der Bestand an Zentralbankgeld seit 2008 fast versiebenfacht, von 880 Milliarden auf etwa 6 Billionen Euro, viel schneller, als die Wirtschaftsleistung stieg (rund zwei Drittel dieses Zuwachses lassen sich durch den Kauf staatlicher Papiere erklären).

 

Die Inflationslage ist also besorgniserregend. Wer in Luxemburg Inflation sagt, denkt automatische Lohnindexierung gleich mit. In den Medien konnte man dieser Tage eine Art Frohlocken darüber verspüren, dass nach Oktober voraussichtlich noch im zweiten Trimester wieder eine Indextranche fällig werde, mit einer möglichen weiteren Tranche noch vor Jahresende. Für Laien und aus der Sicht eines Lohnempfängers mag diese auf den alleinigen Erhalt der Kaufkraft fixierte Sichtweise unter Ausklammerung aller wirtschaftlichen Folgen ja angehen, doch auch Regierungsmitglieder wurden wieder einmal nicht müde, die automatische Lohnindexierung als ein gutes Instrument zur Erhaltung der Kaufkraft darzustellen. Und hier merkt man, dass leider auch die Anwesenheit eines langjährigen Direktors der Handelskammer im Finanzministerium nicht dazu gedient hat, den Regierungsmitgliedern und anderen Politikern mehr wirtschaftliche Einsicht zu vermitteln. Um es einmal im Stammtischjargon zu erklären: Ist die Lohnindexierung ein geeignetes Instrument zur Erhaltung der Kaufkraft, ist der Frühschoppen um 10 auch ein gutes Mittel gegen Kater! Warum nur raten einem die Ärzte eher zur Mässigung des Alkoholkonsums?

 

Was in den Augen der Gewerkschaften und leider auch der meisten Politiker gewissermassen als eine Art warmer Geldregen dargestellt wird, der netterweise von den Arbeitgebern bezahlt wird, ist in Wirklichkeit ein Problem, da Preisentwicklungen ohne Filter oder zeitliche Verzögerung und ohne Verhandlungen zu entsprechenden Kostenerhöhungen führen, die sich ihrerseits negativ auf die Betriebsresultate auswirken. Nicht alle Unternehmen, nicht alle Sektoren können oder wollen diese Kosten gleich einpreisen und an die Verbraucher und die Kunden weitergeben. Diese Zweitrundeneffekte gibt es aber, und sie werden dadurch verstärkt, dass hierzulande quasi alles «durchindexiert» ist, von den sozialen Leistungen bis zur Miete. Was wiederum inflationäre Auswirkungen hat. Bleibt die Inflation beherrscht und es erfallen nur wenige Tranchen, so kann die Wirtschaft solche Preisschocks wegstecken. Bei höheren Inflationsquoten jedoch gerät die Situation ausser Kontrolle und eine negative Spirale riskiert sich in Gang zu setzen: Inflation – wirtschaftlicher Abschwung – Arbeitslosigkeit…

 

Völlig weltfremd erscheinen einem in diesem Zusammenhang auch die Aussagen und Forderungen der Gewerkschaften, welche unisono «mehr Kaufkraft» verlangen. Da geht keine Rede von Umwelt oder Klima, Kreislaufwirtschaft, Nachhaltigkeit oder sonstigem modernen Gedöhns, das die Unternehmen umso mehr belastet. Nach mehreren Indexrunden kommen dann die Tarifverhandlungen, und der Druck auf die Unternehmen steigt weiter. Produktivität ist kein Thema, bestenfalls ein Unwort, mit dem das «Patronat» seine Weltverschwörung weitertreiben will. Zum Schluss wird dann noch einmal die Gerechtigkeit heraufbeschworen und eine weitere Armutsdebatte geführt, und schon ist man ausser auf der Kostenseite um keinen Deut weitergekommen um dann gleich mit dem Mindestlohn wieder in die nächste Arena zu steigen.

 

Die Unternehmen begleichen die Rechnung und bleiben auf den Kosten sitzen. Die Arbeitnehmer ihrerseits profitieren nicht wirklich davon, da die Unternehmen ihrerseits ausser den Preisen eigentlich nur die Produktivitätsschraube haben, mit der sie arbeiten können. Oder sie steigen aus, sprich machen Pleite. Was das konkret bedeutet kann sich jeder für sich selbst ausmalen. Der einzige wirkliche Gewinner bei der Sache ist der Staat, weil dessen Einnahmen kräftig sprudeln werden.

 

Lohnindexierung soll ja den Kaufkraftverlust kompensieren. Das passiert allerdings mit sehr unterschiedlich starken Ausprägungen, obwohl der Warenkorb für jeden gleich teuer ist. Nur mal so: ein Mindestlohnempfänger erhält bei der nächsten Indextranche 56,42€ zusätzlich. Am anderen Ende der sozialversicherungspflichtigen Einkommenstabelle (5xSSM) erhält ein Arbeitnehmer 282,12€ mehr, ein Regierungschef (S4; 940 Punkte) 486,05€ und ein Arbeitsminister (S3; 805 Punkte) immerhin noch 416,24€. Abgeordnete werden um 184,15€ erhöhte Diäten beziehen, ohne Berücksichtigung sonstiger Einkünfte oder Vergütungen. Dafür lohnt es sich doch fast schon, ein wirtschaftlich eigentlich vollkommen unvernünftiges Konstrukt zu verteidigen, oder? Die Lohnschere zwischen Mindestlohnempfänger und Gutverdiener geht pro Indextranche um mehr als 200 Euro auseinander. Soviel zum sozialen Gehalt dieser Massnahme.

 

So oder so: die Wirtschaft verkraftet in der aktuellen Situation eine Beschleunigung der Gehaltsentwicklung über das hinaus, was angesichts des anhaltenden Fach- und Arbeitskräftemangels sowieso passiert, nur sehr schwer. Die vergangenen zwei Jahre haben für die meisten Aktivitäten eine schwere Belastungsprobe dargestellt. Es ist also wieder einmal an der Zeit, die Indexdiskussion zu führen: maximale Indextranche, Begrenzung der innerhalb eines bestimmten Zeitraums maximal zu erfallenden Tranchen, Neuordnung des Warenkorbs, Abschaffung des Automatismus, die Lösungsansätze sind alle auf dem Tisch. Mir «weiter so!» wird sich die Regierung dieses Mal nicht aus der Sache rauswinden können.

Fédération des Artisans

Romain Schmit

Secrétaire général

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